Zunächst einmal wünsche ich allen ein Gutes Neues Jahr, Gesundheit, Glück und Erfolg! Und wie es sich gebührt, starte ich mein Blogger-Jahr mit einem Trend-Artikel. Dieses Jahr werde ich aber nicht wie sonst üblich über Recruiting-Trends des vor uns stehenden Jahres berichten, sondern laut über Achtsamkeit nachdenken.

Hinter dem Begriff Achtsamkeit stehen eine ganze Reihe von Werthaltungen und auch verschiedene Konzepte, die ich hier jetzt nicht weiter ausführen möchte. Wenn man sich mit einer reinen Definition dem Begriff Achtsamkeit nähert, dann stellt man fest, dass es nicht so einfach ist ihn zu fassen. Ich habe dennoch eine Definition gefunden, die mir recht gut gefällt und für jetzt ausreichen kann: „Achtsamkeit ist eine Form von Konzentration, bei der man bewusst wahrnimmt was im gegenwärtigen Moment ist, ohne zu urteilen.“ Klingt auf einen ersten Blick recht einfach. Denken wir ein wenig darüber nach, merken wir, dass doch mehr drin steckt. Vor allem die urteilsfreie Momentaufnahme fällt uns doch in den digital-medialen Zeiten besonders schwer. Dennoch sollten wir es versuchen.

Die folgende Aufstellung beinhaltet meine Recruiting-Achtsamkeits-Trends für das Jahr 2020, von denen ich denke und mir wünsche, wir würden sie zumindest in Teilen in unserem Arbeits-Alltag ein wenig berücksichtigen.

Wir müssen darauf achten, konkreter zu werden

Recruiting wird immer umfangreicher und vielschichtiger in seiner Planung und Umsetzung, im Umgang mit Hiring Managern und im Umgang mit Bewerberinnen und Bewerbern. Verschiedenste Konzepte, Tools, Herangehensweisen und Denkmodelle stehen uns da zur Verfügung. In einer Branche wir unserer, die einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet  ist das auch enorm wichtig. Jedoch ist vieles schwammig. Will sagen, wir sind nicht immer konkret in dem was wir tun. End-to-End wird oftmals nicht gedacht, Candidate Centricity ist eine Worthülse die je Gusto gefüllt wird und jede Woche gibt es neue marketingtaugliche Recruiting-Wortschöpfung, die letztendlich auch keine Stelle besetzt. Ein wenig mehr Fokus und Inhalt und ein wenig weniger Lametta fände ich da sehr schön.

Wir müssen darauf achten, dass Komplexität komplex bleibt

Das führt uns genau zum nächsten Thema: Recruiting ist einfach nun mal komplex und man sieht auch schon mal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Gefühlt gibt es wöchentlich Neuerungen, neue Firmen und Services und auch neue Infoquellen. Aber diese Komplexität des Recruitings ist nichts schlimmes, sie gehört schlicht und ergreifend gemanged und gesteuert. Augmented Recruiting war mal ein Ansatz den wir hierfür promoted haben. Die Erweiterung der eigenen Recruiting-Leistung durch passenden Recruiting-Bots und Services. Dann kann  Komplexität auch komplex bleiben und muss nicht in jede kleinste Ecke zerlegt und platt-diskutiert werden. Dies ist zum einen sehr aufwendig und -mit Verlaub- zum anderen nervt das mitunter auch sehr. Wir sollten lernen und uns damit abfinden, dass wir in einem Umfeld arbeiten, dass von vielen externen Einflüssen geprägt ist und immer sein wird. Diese Einflüsse sind nur mit Verstand und nicht mit Hysterie steuerbar.

Wir müssen drauf achten, dass Beta auch mal Beta bleibt

Es steht eigentlich überall geschrieben und wie reden auch immer wieder darüber: Wir leben in einer Zeit, die immer schneller von Statten geht, Dienstleistungen und Produkte erfinden sich qausi von selbst und bevor sie eigentlich fertig sind, gibt es schon ihre Nachfolger. So sollte es sein – so sollten wir es leben. Eigentlich. Das tun wir halt nicht. So erlebe ich es zumindest. Wir wollen alle immer  ein fertiges, super funktionierendes und astrein blinkendes Produkt und das vom Start weg. Das Thema MVP oder Beta wollen wir nicht wissen, weil wir wollen ja keine B-Kunden sein. Hier schneiden wir uns oftmals auch ins eigene Fleisch: wir wollen innovative, neue digitale Produkte, lassen aber Test- und Entwicklungsphasen in Real-Welten nicht zu. Woher soll denn ein frisch gegründetes StartUp ohne eine millionenschwere SeedingPhase gleich fixfertige Produkte haben die am besten gleich den ganzen Recruiting-Markt disruptieren (mit KI versteht sich). Das geht eben nur schwer. Deshalb sollten wir uns daran gewöhnen in unserem Recruiting-Portfolio auch Beta-Produkte als Standard zu integrieren. Der Schlüssel heißt hier: Flexibilisierung des Recruitings. Wenn das richtig und gut gelingt, dann können MVP´s mitlaufen und bringen sicher auch Wertschöpfung in den Recruiting-Funnel.

Wir müssen darauf achten, dass wir die Digitalisierung verstehen

Einen Schritt zurück gehend, müssen wir tatsächlich auch schauen, dass wir die „großen“ Zusammenhänge besser in den Griff bekommen und uns darauf einlassen. Es ist sicherlich keine grundlegende Abneigung gehen die Digitalisierung vorherrschend, aber ein durchgängiges Lieblingsthema ist es auch nicht. Es ist meiner Meinung nach redundant zu sagen, dass die Zielgruppe und nicht wir und unsere Einstellung zu irgendeinem Thema hier maßgeblich ist. Und eine Generation Z versteht die Diskussionen, die wir teilweise führen nicht, da vielen was wir nicht verstehen (wollen) für diese Generation zum Leben einfach dazu gehört. Auch hier müssen wir nicht diskutieren, ob wieder mehr der Mensch in den Mittelpunkt gerückt gehört. Denn er ist und war es schon immer. Die Menschen die Digitalisierung richtig verstehen und sie einem sinnvollen Einsatz bzw. Nutzen zuführen, machen dies mit einem auf den Menschen ausgerichteten Nutzwert und nicht andersrum. Daher müssen wir beginnen die Digitalisierung des Recruitings zu entmystifizieren und uns klar machen, sie macht einfach nicht Halt!

Wir müssen darauf achten, professioneller zu werden

Zum Schluss möchte ich tatsächlich einen Wunsch formulieren: Lasst uns Recruiting professionalisieren. Es gibt für viele Berufsbereiche im Personalwesen Ausbildungen die bis in den akademischen Hochschulbereich reichen, mit eigenen Studien- und Mastergängen, Dualen Ausbildungen und so weiter. Im Recruiting haben wir nichts. Es gibt viele zarte Pflänzchen, die ich allesamt gut und wichtig finde, aber ich glaube es ist zu wenig. Es ist zu wenig, weil das Berufsbild Recruiting für die Zukunft der Unternehmen zu wichtig sein wird. Sie haben es glaube ich nur noch nicht alle so richtig verstanden. Ich werde hier weiter daran arbeiten und schauen wo ich meinen Beitrag dazu leisten kann.

Eine auf Werten basierende Grundhaltung ist für ein menschliches Miteinander absolut wichtig und unerlässlich. Das dies für mich persönlich wichtig und ist, habe ich nicht in jedem Absatz erwähnt, da es für mich eine Selbstverständlichkeit darstellt. Worauf wollt ihr dieses Jahr achten?

Ich freue mich auf das Recruiting-Jahr 2020, auf neue Projekte, auf die neuen Blog-Artikel der Kolleginnen und Kollegen, auf die ganzen Events und die Treffen vor Ort. Bis dann und einen Guten Start!

 

 

 

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