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Die Recruiting Slot-Maschine – pls insert your Coin!

Als 1899 der nach Kalifornien ausgewanderte Schwabe Charles August Fey seine Slot-Maschine namens Liberty Bell erfand, ahnte er wahrscheinlich noch nicht, dass er hierbei den Grundstein für eine weltweite Glückspielindustrie legte. Ähnlich könnte es auch gewesen sein, als in einem McKinsey Quarterly das erste Mal von „War for Talents“ die Rede war. Auch hieraus entstand sicherlich ein lukrativer Industriezweig aber vor allem ein Mythos namens Fachkräftemangel. Der daraus entstandene Berufszweig innerhalb der Personalwirtschaft, das Recruiting, scheint sich derzeit immer mehr zum Glückspiel zu verwandeln. Das Recruiting gleich daher oftmals einer Slot-Maschine. Denn neben der allzeit implizit geschürten Angst um den Mangel an Arbeitskräften stehen in diesem mittlerweile hoch technologischem und durch organisierten Arbeitsfeld unzählige Möglichkeiten „Slots“ zur Verfügung. Die Frage dabei ist meistens nur, welche Slot-Maschine nehme ich denn und wo bleiben die 3 Walzen stehen, wenn ich meinen Recruiting-Coin einwerfe und habe ich vielleicht einen Joker dabei, oder kommt es sogar zur Sonderausspielung?

Silodenke ist die Lostrommel des Recruitings

Versuchen wir einmal das oben skizzierte Bild des Glückspiels aufzudröseln, dann können die Automaten Sinnbildlich für, nennen wir es, eine bestimmte Art des Recruitings stehen. Die Walzen sind die, oftmals dem glücklichen Zufall überlasse Herangehensweise an die Bearbeitung des Bewerbermarktes und der Recruiting-Coin ist die Vakanz. Also rein den Coin, die blickenden Tasten gedrückt und schauen wir mal wo die 3 Walzen stehen bleiben. Glücksspiel eben. Ich denke, ein professionell agierendes Berufsfeld wie das Recruiting sollte sich nicht auf so eine Arbeitsweise verlassen und zumindest versuchen das Glück weitestgehenst im Griff zu haben. Die Argumente liegen, egal von welcher Seite man darauf schaut, also von Seiten der Kunden, Auftraggeber, Bewerber oder des Recruiting selbst deutlich auf der Hand. So sind operative Silos für Recruiterinnen und Recruiter nicht nur eine überaus unproduktive Sache, sondern vor allem bei der Auswahl, dem Einsatz von Tools und der Planung von Recruiting-Prozessabfolgen sehr erfolgshemmende Faktoren.

Es ist natürlich oftmals nicht sehr einfach diese Silos aufzubrechen und das ganze Recruiting-Handeln in eine, nicht einer Slot-Maschine ähnelnden Arbeitsweise zu verändern, sprich sie zu vernetzten. Interne Widerstände oder Restriktionen, notwendige organisatorische und oftmals auch strategische Änderungen stehen bei solch einem Vorhaben zu häufig im Weg. Diesen kann man so einfach nicht entkommen. Dennoch lässt sich meistens ein Kompromiss oder ein Workaround erarbeiten der zumindest eine erste Gesamtschau und eine erste Vernetzung möglich macht. Daher dürfen diese Interna keine Ausrede sein.

Darum gerne noch einmal: Eine neue Slot-Maschine an die Wand zu schrauben und diese losgelöst einer gesamten Sicht auf das Recruiting, einer Verbindung oder einer durchdachten Strategie und Organisation zum Einsatz zu bringen, bringt nur kurzzeitiges Spielvergnügen aber keinen nachhaltigen Erfolg. Glück und Glückspiel hat in einem modernen Recruiting-Ansatz nichts zu suchen. Für die Besetzung von Vakanzen benötigt man eh meistens ein paar Sonderspiele und die 3 Joker und die sind sehr sehr selten.

Recruiting 4.0 bedeutet vernetztes Denken

So, da ist sie wieder! Die ständige numerische Skalierung des Recruiting ohne eigentlich richtigen Bezug zum operativen Handeln. Die Frage ist ja (und das, hier nur mal kurz als Einschub) wo denn im Recruiting auf einmal dieses gesamte semantische Verstehen herkommt, dass ja „4.0“ impliziert oder zumindest meinem Verständnis nach implizieren soll. Naja sei es drum, das Internet kann gerade mal so 2.0 und lernt mit dem 3.0 umzugehen, wir im Recruiting sind schon bei 4.0. Auch nicht schlecht.

Folgen wir diesem Ansatz aber einmal konsequenter und beziehen unsere bekannten Slot-Maschinen mit ein, dann heißt für mich Recruiting 4.0 verstehen, vernetzen und handeln. Das bringt mich zum Schluss, dass Recruiting 4.0 in erster Linie die aktuelle technische Weiterentwicklung und die einhergehende Digitalisierung sämtlicher Facetten des Recruiting erkennen und verstehen muss. Erst dann, und der zweite Schritt ist ebenso unerlässlich, gilt es vernetzt zu denken und auch so zu handeln. Somit mündet aus meiner Sicht Recruiting 4.0 nicht zwangsläufig in einem überbordenden und ausschließlichen Technikeinsatz, sondern beginnt mit einem begründeten Gedankenspiel.

Bleiben wir bei der Technik. Denn sie ist und bleibt der Treiber des Recruiting. Ich glaube, das kann man gar nicht oft genug sagen. Da hilft auch kein klammern an so manche jahrelang praxiserprobte und liebgewonnene Methode. Das Verhalten und die Erwartungshaltung der Zielgruppen bügeln da einfach ungeniert darüber hinweg. Aber, und das ist die Stärke eines verstehenden und vernetzten Recruiting-Denkens, überlege ich mir genau wo ich welches Tool mit welchen Aufgaben einsetze und wie sich das mit dem Blick auf eine Over-All Recruiting-Strategie zusammenfügt, dann schließen sich die bekannten Kreise. Tun wir das nicht, haben wir eine Ansammlung von Slot-Maschinen und oftmals nur ein paar wenige Coins zur Verfügung die wir ins Spiel bringen können. Glückspiel eben…

Um jedoch das ganze Ausmaß eines Tool-Einsatzes verstehen zu können muss man die angebotene Wertschöpfung des Tools im Recruiting-Funnel verstehen und einschätzen können. Heißt für mich oftmals lapidar „Tool ausprobieren“ und „Ergebnisse bewerten“. Und hier liegt auch meistens die Krux im gesamten System: Neue Tools, Ideen, Methoden muss ich operativ anwenden und verproben. Nur dann weiß ich ob sie zum Unternehmen sowie dessen Recruiting passen und auch mit der Zielgruppe konvertieren. Nur leider ergibt sich aus dem operativen Handlungsdruck der auf vielen Recruiting-Abteilungen lastet nur hin und wieder die Zeit und Akzeptanz neue Wege zu gehen und diese vor allem auch eine Weile zu testen. Aber nur dadurch kommt die Digitalisierung des Recruitings so richtig in Gang und wir vermeiden auch immer mehr den Ansatz des Glückspiels.

Durchdachtes und vernetztes Recruiting hat für mich nur sehr wenig mit Glückspiel zu tun, da es genügend Handlungsalternativen kennen muss und weiß, wann welche zum Einsatz kommen. Wer nur auf eine Slot-Maschine oder eine bestimmte Art setzt, bildet meiner Meinung nach nicht die Volatilität des Marktes ab und wird sich früher oder später schwertun. Für den Versuch neue Wege zu gehen braucht es Platz und Zeit die nicht nur auf Folien geschrieben werden, sondern auch wahrlich zur Verfügung steht. Dann kann Recruiting 4.0 erwachsen und auch seinem Namen gerecht werden.

Autor: Michael Witt
erstellt am: 09.07.2018
Kategorie(n): Digitalisierung, Recruiting, Think Forward
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