Es ist die allseits bekannte Idee und Forderung, strategisch zu arbeiten, wenn operativ nicht viel zu tun ist. Besonders dieses Jahr wäre im Recruiting viel Zeit gewesen strategisch zu arbeiten und im Sommer bzw. der Sommerpause ist eigentlich immer bisschen Luft dafür. Aber es ist leider so, dass dies nicht so richtig gelingen mag, da kurz gesagt Recruiting Organisationen das strategische Arbeiten über all ihre Instanzen hinweg nie so richtig gelernt haben. Somit gilt es tatsächlich in einem ersten Schritt das zu tun: strategisch Arbeiten „lernen“ damit dann die Forderung dies auch zu tun nicht ins Leere läuft.
Der Shift: vom operativen Recruiting ins strategische Recruiting
Ok, das klingt jetzt doch schon wieder ein wenig weit hergeholt, aber das Ziel ist ja neue Idee oder Impulse für das strategische Recruiting zu schaffen und das aber eben erstmal irgendwie in kleinen Schritten zu tun – also wie kann das gehen?
Rahmen verschieben: weg von der Taktung
Wir wissen, dass in Recruiting Teams meist der operative Takt regiert: eMails, Interviews, Fachbereiche rufen an etc. – alles schnell schnell. Dieser Takt ergibt die Effizienz im Recruiting, nimmt aber genau die Zeit, die man braucht für Strategiearbeit. Denn: strategisches Arbeiten braucht seine eigenen Zeitstrukturen. Sie braucht Zeitfenster in denen nicht reagiert, sondern reflektiert und auch vorausgeschaut wird. Der erste Schritt zu mehr Strategie liegt also nicht im Inhalt, sondern im Rahmen: wer Strategie will, muss gezielt entschleunigen.
Ein Recruiting Use-Case
Das Recruiting Team blockt eine Zeitfenster pro Woche als strategischen Denkraum. In dieser Zeit werden keine operativen Termine angesetzt, sondern Themen wie Kennzahlenanalysen, Trends oder KI im Recruiting diskutiert.
Workshop
Das Recruiting Team zeichnet eine typische Arbeitswoche auf und markiert, wann operativ, wann organisatorisch und wann strategisch gearbeitet wird. Im Anschluss diskutiert das Team: Wo haben wir bereits Freiräume – wo könnten wir welche schaffen? Als Ergebnis wird ein konkreter wöchentlicher Zeitblock für strategisches Arbeiten festgelegt und teamintern „geschützt“.
Strategie ist Kompetenz?
Wenn man eine Strategie aufstellt, braucht man in aller Regel systemisches Denken, fundierte Hypothesen und eine strukturierte Analyse. In einem Umfeld wie Recruiting, das per se geprägt ist von operativem Tun, einem hohen Tempo und meist wenig Daten, ist es daher wichtig Komplexität zu reduzieren und zu strukturieren, statt sich davon treiben zu lassen. Wer strategisch im Recruiting arbeiten will, braucht also auch ein anderes MindSet (da ist es!!): nicht sofort reagieren, sondern vielleicht mal innhalten und schauen was zu tun ist.
Ein Recruiting Use-Case
Statt sofort eine Maßnahme zu starten, nimmt sich das Recruiting Team ein konkretes Problem das derzeit ansteht und versucht in einem ersten Schritt verschiedene Hypothesen zu formulieren, wieso das Problem entstanden sein könnte und was es für Lösungsschritte es geben kann. Z.B.: „Unsere Bewerbungen sind zurückgegangen, weil….. und eine mögliche Lösung könnte sein 1,2,3,….“
Workshop
Das Recruiting Team bringt aktuelle Recruiting Herausforderungen mit und übersetzt diese in Hypothesen. Für jede Hypothese wird dokumentiert: Was wissen wir sicher? Was vermuten wir? Wie könnten wir testen oder widerlegen?
Richtung vs. Ziele
Strategie Arbeit braucht eine Richtung bzw. irgendwie Orientierung – aber nicht im Sinne von Zielen, sondern es braucht Sinn. Ziele direkt am Beginn können unter Umständen das Arbeiten beinträchtigen, bevor überhaupt Klarheit über die Richtung besteht. Gerade in einem dynamischen Umfeld wie Recruiting, wo Rahmenbedingungen sich ständig ändern können, muss Strategie mit Sinn starten – nicht mit Kennzahlen (Stichwort: MindSet)
Ein Recruiting Use-Case
Das Recruiting Team entwickelt eine gemeinsame Orientierung, einen Leitsatz, eine Mission: „Wir gestalten Recruiting, das dem Trend voraus ist.“ (hehe).
Workshop
Die Teammitglieder formulieren verschiedene strategische Leitfragen rund um ihre Rolle, die Zielgruppen oder ihre Herausforderungen (z. B. „Wie würde Recruiting aussehen, wenn es keine Lebensläufe gäbe?“). Gemeinsam wird aus diesen Fragen eine Auswahl getroffen, die über einen definierten Zeitraum im Team diskutiert werden – z. B. im Weekly.
Experimentieren oder Entscheiden?
In komplexen Arbeitsfeldern wie eben Recruiting eins ist, ist das Warten auf „die richtige Lösung“ oft eine Form wie das Vermeiden von Lösungen. Grundsätzlich gilt: wer strategisch arbeitet, entscheidet ja nicht endgültig und für immer, sondern experimentiert eher gezielt. Statt ewig lang über die perfekte Stellenanzeige zu diskutieren, schaltet man zwei Varianten und lernt aus den Ergebnissen. Diese Denkweise des strategischen Handelns auf Basis von validen Hypothesen sollte gelernt und gefördert werden. ABER: es ist was grundlegend anderes als „Einfach mal machen“!
Ein Recruiting Use-Case
Im Team Recruiting wird anstelle einer langen Diskussion eine valide Hypothese und zwei Lösungsansätze entwickelt. Diese Lösungsansätze werden real verprobt.
Workshop
Jede Person im Team bringt eine Idee mit, aus der eine Test-Hypothese entwickelt werden kann. Die können sein, z.B. eine alternative Ansprache im Sourcing, eine neue Plattform, kürzerer Prozessabschnitt. Gemeinsam werden 2–3 kleine Experimente priorisiert, die innerhalb von zwei Wochen gestartet werden können.
Strategie muss sichtbar werden
Strategien entfalten bekannterweise nur dann Wirkung, wenn sie strukturell verankert und so auch sichtbar gemacht werden. Das heißt konkret: Es braucht Formen und Visualisierung sonst bleibt die schöne neue Recruiting Strategie ein tolles Power-Point Konzept, das nie in die Umsetzung kommt. Ein strategisch reifes Recruiting Team hat klar erkennbare Formate mit denen es arbeitet: z.B. ein Strategie Board oder ein Set an strategischen Kennzahlen.
Ein Recruiting Use-Case
Aufbau eines Strategie-Whiteboards mit fünf Spalten: Hypothesen, Experimente, Trends, offene Fragen, Learnings. Jede Woche wird mindestens ein Feld aktualisiert. Das Board dient als Denkraum – nicht als Kontrollraum!
Workshop
Im Team wird gemeinsam ein Strategie-Canvas gestaltet: Was sind unsere aktuell wichtigsten Annahmen? Welche Fragen treiben uns um? Was läuft bereits strategisch? Daraus entsteht eine sichtbare, strategische Übersicht.
Meine Dienstleistungen
Erfolgreiche Recruiting-Strategien entwickeln
Zukunftsfähige Recruiting-Organisationen gestalten
Dabei verfolge ich das Ziel, Employer Branding, HR-Marketing und Recruiting miteinander zu verzahnen und das Recruiting als strategischen Business Partner im Unternehmen zu etablieren.