Immer wenn das Jahr auf seine Zielgerade einbiegt, stehen auch zeitgleich wieder einige der wichtigen HR- und Recruiting-Award Verleihungen an. Bei all diesen HR/Recruiting Awards, die es in den kommenden Tagen und Wochen zu gewinnen gibt, steht im Grunde eine zentrale Messgröße durchgängig auf der Bewertungsskala der Fachjurys: die Innovation. Besonders im Recruiting ist Innovation eine der Garanten für eine erfolgreiche Personalgewinnung – so scheint es zumindest, denn wir nutzen im Recruiting dieses Wort doch recht häufig, wenn nicht fast schon inflationär. Recruiting Innovationen sind das Maß der Dinge, wenn es darum geht, schwer zu rekrutierende Zielgruppen für das eigene Unternehmen zu begeistern bzw. zu gewinnen. Da stellt sich dann auch die Frage: für wen muss es denn innovativ sein und wer muss oder eben muss auch nicht diese Innovation erleben? Quasi als Vorbereitung auf die spannenden Awardpartyabende der nächsten Zeit, will ich neben diesen Fragen aber vor allem der Innovation selbst einmal auf den Grund gehen.

Innovation – was ist das überhaupt?

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick zeigt uns, dass das Wort „innovatio“ erstmals um 200 n. Chr. erwähnt wurde und der daraus entstandene Wortstamm „innovare“ mit entdecken, erfinden oder nach Neuerungen suchen übersetzt werden kann. Die heutige Bedeutung, die das Wort Innovation prägt, stammt vom österreichischen Nationalökonomen Joseph Alois Schumpeter und beschreibt das schöpferische Neugestalten von dynamischen Unternehmungen. Letztendlich geht es, egal welche der vielen Definitionen herangezogen wird, immer um das Schaffen von neuen (noch nicht dagewesenen) Dingen. Neben dem Wort der Innovation und seinen Definitionen existieren heutzutage ganze Managementbewegungen, die sich unter dem Begriff des Innovationsmanagement subsumieren lassen, und vor allem mit Einbezug des unternehmerischen Wissens neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und auf den Markt bringen.

Um Innovationen selbst besser greifen zu können lassen sie sich zum Beispiel klassifizieren und in drei unterschiedliche Innovationsarten unterscheiden. So gibt es (1) Produktinnovationen, die auf Basis von Erfindungen oder eigener Ideen von den Unternehmen entwickelt wurden und so für sie gänzlich neu sind. Hierunter fallen wohl tatsächlich die meisten der bekannten Recruiting Innovationen und sie sind es auch, die vornehmlich die erfolgskritischen Unterschiede am Bewerbermarkt machen. Die (2) Prozessinnovationen zielen vor allem auf die technologische Verbesserung der Handlungskette, also bei uns auf den Recruiting Prozess oder auch auf das On-Boarding und versuchen diese Prozesse effizienter zu gestalten. Bei den (3) Sozialinnovationen dreht sich um Grunde alles um die Mitarbeiter:innen eines Unternehmens und um die Gestaltung ihrer  Arbeitswelt. Ich denke, dass wir auch diese Innovation im Recruiting haben, sie aber keine direkte Wirkung auf das Recruiting entfaltet, eine indirekte aber schon.

Das Maß der Dinge – der Innovationsgrad

Zu wissen, dass es unterschiedliche Arten von Innovationen gibt, die wir für das Recruiting entwickeln und dort auch einsetzen können ist ein guter, aber eben auch nur ein erster Schritt. Denn die Frage bei Innovationen ist meiner Meinung nach immer auch eine Frage nach ihrer Wirkung und ihrem Erfolg. Bringen wir ein neues, toll aussehendes Recruiting-Tool auf den Markt, das auch gewisse Innovation in seiner Technologie oder der angedachten Candidate Journey mit sich bringt, so müssen diese Neurungen immer auf die letztendliche Zielsetzung von Recruiting, das Besetzten von offenen Stellen direkt oder indirekt einzahlen. Recruiting Innovationen zum Selbstzweck darf es im Grunde nicht geben. Um nun heraufzufinden, wie sehr oder auch wie stark eine Innovation wirkt bzw. wirken kann, wird der sogenannte Innovationsgrad herangezogen, der zwei unterschiedliche Modelle besitzen kann:

Inkrementelle Innovationen sind Innovationen, die einen geringen Innovationsgrad aufweisen, da sie keine gänzlich neuen Produkte oder Dienstleistungen hervorbringen, sondern bestehende Dinge im Detail verändern. So werden mit diesen Innovationen zwar funktionelle Verbesserungen eingeführt oder Prozessabläufe optimiert und somit der Nutzwert für Bewerbende verbessert, aber kein neues Anwendungsgebiet basierend auf einer neuen Idee erschlossen.

Innovationen, die dagegen etwas komplett Neues erschaffen werden radikale Innovationen bezeichnet und besitzen selbstredend einen hohen Innovationsgrad. Diese Art von Innovation basiert auf dem Einsatz von neuem Wissen oder dem Einsatz von neuen Technologien und erschließt so, aus Produktsicht gesprochen neue Märkte. Für das Recruiting sind diese Innovationen eher selten, da sie einen grundlegend disruptiven Charakter besitzen.

 Und nun: Recruiting Innovation?

Ich bin mit der Frage nach der Existenz von Recruiting Innovationen in diesen Artikel gestartet und finde, dass es viele und gute Recruiting Innovationen gibt, sie aber eher den Inkrementelle Produktinnovationen zuzuordnen sind und somit im Gros auch keinen allzu hohen Innovationsgrad besitzen. Das tut auf den ersten Blick vielleicht ein wenig weh, aber wenn wir auf die generllen Entwicklungen der letzten Zeit schauen, so hat sich recht wenig in der breite und auch in der Tiefe im Recruiting bzw. in der Recruiting Organisationen niedergelassen von dem ein disruptiver Stoß ausgeht bzw. ausging. Viele unserer Recruiting Innovationen sind einerseits technisch geprägt und haben je nach Technologie einen stark verändernden Charakter innerhalb ihres jeweiligen Einsatzfeldes. Andererseits finden wir Innovationen, die sich vor allem im Top Funnel abspielen, also im HR-Marketing oder auch Employer Branding anzusiedeln sind. Diese sind im Grunde aber nie wirklich radikal, sondern eher adaptiv, was nicht bedeutet, dass das schlecht ist. Recruiting Innovationen bleiben aber ein sehr wichtiger Treiber für die Personalschaffung in den Unternehmen, daran besteht kein Zweifel, jedoch müssen wir, wenn wir darüber sprechen auch wissen, wie diese einzuordnen und zu verorten sind. Sind es Innovationen die für ein Unternehmen, eine Recruiting Organisation etwas Neues sind und eine Weiterentwicklung bedeuten, oder ist es etwas, was die Recruiting-Community als Ganzes fortentwickelt. Für letzteres gelten sicherlich andere Maßstäbe, die über die Unternehmensgrenzen hinausgehen. Und genau sie sind es auch, die es verdient haben im Wettstreit um die HR-Awards ganz oben zu stehen. 

 

 

 

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