Wir kennen alle die Menschen die Vollgas geben, noch lange bevor sie überhaupt wissen wohin die Reise geht oder was ihr eigentliches Ziel ist. Sie legen einfach los, arbeiten mit ganzer Kraft, Enthusiasmus, voller Überzeugung und vollem Aktionismus. Sie strotzen gar vor Selbstvertrauen und sind absolut davon überzeugt, dass Geschwindigkeit auch gleich Richtung und Ziel bedeutet.
Wir hier im oberschwäbischen haben genau für diesen Typus Mensch einen Begriff oder eigentlich vielmehr einen Namen: Rennfahrer Kechele. Der Rennfahrer Kechele ist bekannt für übermütiges Fahren, tollkühne Überholmanöver und absolute Überschätzung seines eigenen Könnens. Mittlerweile ist der Rennfahrer Kechele aber nicht mehr nur Bestandteil von Kindergedichten oder schwäbische Erzählungen, sondern schon ein Inbegriff geworden für Aktionismus ohne Substanz, für Selbstüberschätzung, für übereiltes Handeln und für das Gefühl bereits auf der Zielgeraden zu sein, während man in Wahrheit noch nicht einmal weiß, wo das Ziel liegt.
Vielleicht viel auf, dass die Beschreibung vom Rennfahrer Kechele doch auch etwas mit den aktuellen und eigentlich immer wiederkehrenden Wellen im Recruiting zu tun haben könnte. Und die sind nicht mal an den Haaren herbeigezogen: Geschwindigkeit ist eh wichtig im Recruiting, „einfach mal machen“ das Mantra von vielem und besser (schneller) als der Wettbewerb zu sein oftmals die Aufgabe.
Haafakäs
Jedoch könnte genau diese Zielsetzung, dieses Tun, doch auch zu hinterfragen sein oder zumindest eine Überprüfung Wert? Ist denn ein permanentes „Schneller, Weiter, Höher“ die Zielsetzung der Kern von dem, was Recruiting und Recruiting Organisationen weiter nach vorne bringt, oder ist es der Blick zurück nach vorne? Der Blick zurück scheint aber schwieriger als der Blick nach vorne zu sein. Den zurückblicken ist vielleicht auch gleichzusetzen mit einem Halten, einem Stopp. Aber genau dieser Stopp zeigt uns, wo die Lücken sind, wo die Recruiting Basics, die notwendige Reife fehlt, um dann die vielbesprochene Recruiting Exzellence zu erreichen.
Stattdessen kommt der Griff nach den Sternen. Getrieben von fortwährenden Hype-Cyceln, die alles in Frage stellen, was es bisher gab. Denn „neu“ ist gut und „alt“ eben nicht so. Die zudem in Frage stellen ob Recruiting überhaupt noch Recruiting sein kann, mit all der KI die es so gibt. Die sich fragen, wieso nach 20 Jahren Wissensentwicklung und Expertendiskussionen über Stellenanzeigen, diese eigentlich immer noch aussehen wie sie schon immer ausgesehen haben. Die von SEO jetzt auf einmal GEO machen und im Grunde SEO schon in weiter Ferne liegt. Und die im Grunde der Meinung sind, dass es Recruiting gar nicht mehr benötigt, obwohl es mehr den je fundiertes und exzellentes Recruiting braucht, das von echten Profis betrieben wird.
Bedeutung Hafekäs: „Hafekäs“ ist schwäbisch für Blödsinn oder Unsinn. So sinnlos wie Käse aus Hafer machen.
Bruddla
Ja, es ist einfach über alle und alles herzuziehen und zu schimpfen. Es liegt uns einfach. Aber es ist nicht alles ganz so schlimm glaube ich. Es ist nur verdammt viel in Bewegung und es geht halt verdammt schnell. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist: Social Media ist nun das geworden was damals prognostiziert worden ist: das Mitmach-Netz. Leider auch mit negativen Seiten, das sehen wir auch beispielsweise auf LinkedIn, dass immer mehr zum Besserwissen-Proll-Rechtehaben-Platz verkommt. Bisschen Austausch aber kaum mehr mit fachlichem Tiefgang.
Dennoch, wird immer mehr geschumpfen, auch über und auf Recruiting. Auch gerne mit Lösungen und Empfehlungen, die meines Erachtens dann immer nur das Kleine, aber nie das große Ganze betreffen. Recruiting ist ein ziemlich komplexes und vielschichtiges Monstrum. Lebensweisheiten und Kalendersprüche bringen hier nur selten die erwünschten Lösungen. Denn einfach mal hier bisschen und da ein wenig geht meist in die Hose – und dann kann man ja zum Glück wieder schimpfen, gell.
Bedeutung Bruddla: „Brudla“ ist schwäbisch für andauerndes Schimpfen, Murren oder Nörgeln Meist leise, grummelig und ohne klare Lösung.
Wellewäg
Aber egal wie es ist, ob man sich ärgert oder nicht. Laut ist oder leiser, es werden sich ein paar Konstanten verstärken, die es braucht, um durchzukommen: verändern, lernen, sich anpassen, ruhig bleiben – einatmen, ausatmen. Das wird die nächste Zeit, die nächsten Jahre die grundlegende Kompetenz sein und dazu beitragen nicht Rennfahrer Kechele zu werden. Man kann das auch Resilienz bezeichnen, kann man. Oder man kann auch einfach gesunden abwägen, handeln und tun nennen. Denn so entstehen Lösungen, keine Lebensweisheiten und keine Besserwisserei. Das hat Recruiting in der Tat schon mehr als genug. Und wer permanent das schlechtmacht was er eigentlich mag, naja.. ihr wisst schon!
Bedeutung Wellewäg: „Wellewäg“ ist schwäbisch für unnötiges Hin und Her, Aufhebens oder Umstände, oft gebraucht, wenn etwas viel komplizierter gemacht wird, als es eigentlich sein müsste.
Meine Dienstleistungen
Erfolgreiche Recruiting-Strategien entwickeln
Zukunftsfähige Recruiting-Organisationen gestalten
Dabei verfolge ich das Ziel, Employer Branding, HR-Marketing und Recruiting miteinander zu verzahnen und das Recruiting als strategischen Business Partner im Unternehmen zu etablieren.