Es ist wieder Zeit für Trends. Dieses Mal geht’s aber um die richtig dicken Dinger: die Megatrends. Trends, egal welcher Natur bedeuten grundlegend immer eine Veränderung in eine Richtung die es davor in der Regel so noch nicht gab. Schwächt sich diese Veränderung innerhalb eines Jahres wieder ab, wird von einem Hype gesprochen. Das macht Trends ja auch so spannend. Dauert das Ganze länger als 25 Jahre an, haben wir dann eventuell einen Megatrend. Megatrends sind qausi die komplexen Hauptdarsteller am Set und gehen begrifflich und inhaltlich auf den Begründer der Zukunftsforschung John Naisbitt zurück. John Naisbitt hat in seinem Forschungsbesteller drei maßgebliche Voraussetzungen formuliert, die für Megatrends gegeben sein müssen: (1) Sie dauern mindestens 25 bis 30 Jahre, (2) sie tauchen in allen Lebensbereichen auf und haben dort auch überall Auswirkungen. Hier wird auch Politik und Ökonomie zum Beispiel eingeschlossen und (3) sie sind global zu finden, auch wenn sie global unterschiedliche Ausprägungen haben können. 

Recruiting ist, und ich glaube das ist unstrittig, ein Geschäft in dem es auch sehr stark um Trends geht. Oftmals werden aber Hypes als neue Wunderwaffen und Heilsbringer im Recruiting über alle Glocken gelobt und verschwinden schneller und erfolgsloser als sie kamen. Trends wiederum werden nicht oder zu spät erkannt und dann sind oftmals wichtige Chancen vertan. Grund genug sich richtig und tiefgehender mit Trends auseinander zu setzen und sie versuchen richtig zu lesen.

Megatrends im Recruiting – eine neue Studie

Vor ungefähr zwei Wochen hab ich eine kurze Meldung in Ticker der W&V gesehen, dass es eine neue Studie zu aktuellen Megatrends im Recruiting gibt. Natürlich habe ich mir die Meldung durchlesen und hatte vor, diese dort gesammelten Megatrends hier zu diskutieren. Zu Beginn der Pressemitteilung fällt aber die Erhebungsmethode direkt ins Auge: Es wurden Kandidaten und Unternehmen befragt und das in Summe 515. Hm, jetzt bin ich kein (Trend-) Forscher aber ich wage zu behaupten das reicht nicht so ganz aus um von Megatrends zu sprechen und solche vorauszusagen.  

Da ich nun aber schon dabei bin, liste ich hier einmal die in der Studie erhobenen Recruiting-Trends auf. Insgesamt wurden 6 Recruiting-Lösungen identifiziert, die eine zukunfts- und richtungsweisende Funktion im Recruiting haben sollen:  (1) Online Recruiting, (2) Arbeitgeberbewertungsportale, (3) Videointerviews bzw. Einsatz von Videos im Recruiting (4) Online AC bzw. webbasierte Testungen, (5) Virtual Realitiy und (6) Realistic Job Preview. 

Damit ein wenig mehr Input dazu kommt, habe ich zusätzlich ein paar weitere Studien und Artikel aus 2019 zu Recruiting Megatrends angeschaut. Dort werden vor allem und zusammengefasst folgende Trends erkannt und benannt: Active Sourcing, Social Recruiting und Mobile Recruiting, Recruiting-Prozess-Differenzierung, Einführung von Bewerbermanagement-Systemen und der Einsatz von Marketing-Systemen wie im eCommerce. Der Einsatz von Video und Video Recruiting-Tools, VR, online Tests sowie Job Preview werden in diesen Artikel und Studien auch immer wieder genannt und als Megatrends für das Recruiting beschreiben. Somit deckt sich das mit der eingangs beschriebenen Studie. 

Es scheint also schon so zu sein, dass sich klare Trends im Recruiting abzeichnen, die nicht nur auf der Recruiting-Seite ausgedacht werden, sondern auch auf Seite der Kandidatinnen und Kandidaten bestätigt sind. Dennoch empfinde ich hier diese nicht so „megatrendig“. Schauen wir aber doch mal kurz auf die „anderen“ Megatrends.   

Megatrends – Die Trends in Wirtschaft und Gesellschaft

Recruiting bewegt sich ja bekanntlich nicht im luftleeren Raum und sollte aus diesem Grund doch ab und an einmal über den Tellerrand schauen um zu sehen, was den so rechts und links alles passiert. Und da wir jetzt ja gerade über Megatrends sprechen, die im Grunde ja die absoluten Wegweiser für das Recruiting und wenn wir den Fokus aufziehen für die Wirtschaft und die Gesellschaft sind, dann lohnt sich auch ein Blick eben auf die in der Überschrift genannten Trends zu werden. Und hier sind ein paar davon:

Megatrend Wissenskultur: Der Umgang mit Information und Wissen ändert sich nachhaltig. Neue Lernformen entstehen, Innovation wird zum Treiber. 

Megatrend Urbanisierung:Die Menschen zieht es in die Städte. Sie werden zum Lebensraum der Zukunft.

Megatrend Konnektivität:Dies ist so scheint es der wichtigste Trend unserer Zeit. Er verändert grundlegend unser Zusammenleben durch Vernetzung und Veränderung der digitalen Kommunikation. 

Megatrend Individualisierung:Menschen wollen die Freiheit der Wahl. Dieser Trend sei auch einer der weltweit mächtigsten seiner Art.

Megatrend Globalisierung:Wir sind eine Weltgesellschaft die digital alles erreichen kann. Dieser Trend zeigt auf wie es geht. 

Megatrend Silver Society:Dieser Trend greift das gesundbleiben im Alter und die schwindenden Arbeitskräfte auf und bringt neue Lebensstile die „4. Lebenshälfte“ in die Diskussion ein. 

Megatrend New Work:die Arbeitswelt ist im Wandel. Eine neue Symbiose von Arbeit und Leben muss gefunden werden. 

Das sind einmal ein paar ausgewählte Megatrends die aufzeigen, auf welcher „Flughöhe“ und mit welchen Themen sich Megatrends beschäftigen. Zudem zeigen die doch knapp geratenen Beschreibungen dennoch auf, dass wir uns im Personalwesen eigentlich schon auch irgendwie damit beschäftigen…irgendwie. 

Sapperlott…. oder was?

So ganz weiß ich jetzt auch nicht, ob sich die Recruiting  mit diesen Trends jetzt vergleichen lassen, oder sie sich vielleicht sogar vergleichen lassen sollten. Wenn wir jetzt von der Megatrend Definition ausgehen und die sehr knapp angeteaserten Trends aus Wirtschaft und Gesellschaft blicken mache ich da überall einen Hacken hin. Zum einen weil ich das alles irgendwie und irgendwo schon gehört habe, es selbst wichtig finde und zum anderen ich denke, die entsprechen auch Megatrends in ihrem Ansatz und haben auch die Größenordnung wie man sich das so vorstellt. 

Schauen wir mal auf die Recruiting-Megatrends. Und jetzt bin ich mir echt ein wenig unsicher. Letztendlich können wir die oben genannten Trends und Recruiting-Methoden allesamt den anderen später erwähnten Trends problemlos zuordnen und somit legitimieren. Sind das dann aber automatisch Trends die die nächsten 25 Jahre das Recruiting beeinflussen, alle Bereiche unseres (Recruiting-) Lebens und das Ganze noch global? Sind diese Trends nicht zu „klein-klein“ und situativ gedacht und mehr auf „Hypes“ und nicht auf strategische Nachhaltigkeit ausgelegt? Sind es wieder nur Dinge wie mehr „Schein-als-Sein“ besitzen und wie so oft im Recruiting nicht durchgängige Verankerung in Community und Organisation haben? 

Ich dachte auf jeden Fall „Sapperlott“ als ich die Megatrends für das Recruiting gelesen hab und mir dann die anderen im Anschluss anschaute. Für mich passt es irgendwie nicht? Für euch?

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