Der Recruiting-Prozess ist die zentrale Handlungskette im Recruiting-Geschehen. Immer wieder stellt sich hierbei die Frage, inwieweit der eigene im operativen Handeln gelebte Recruiting-Prozess auch effizient genug ist. Für die Bewertung von Prozessen können Methoden zur Bewertung der Prozessrealisierbarkeit herangezogen werden:

Screening

Hier werden verschiedene Optimierungsvorschläge erarbeitet. Beim Screening werden dann exakt die Lösungsvorschläge von Anfang an ausgeschlossen, die die Kriterien der festgelegten Mindestanforderung nicht erfüllen. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn eine sehr hohe Anzahl von Lösungsvorschlägen vorliegt. Dadurch kann der Arbeitsaufwand bei der Endauswahl deutlich verringert werden. Wichtig zu beachten ist, dass die Endauswahl auch wirklich alle Kriterien der Mindestanforderung erfüllen. Screening ist gekennzeichnet durch eine intuitive Vorgehensweise, lässt sich sowohl individuell als auch in Gruppen anwenden und dient der Bewertung von Varianten für eine Vorauswahl.

Delphi-Befragung

Die Delphi-Methode ist eine strukturierte und vor allem mehrstufige Befragung von Fachexperten anhand eines Thesen- und Fragekatalogs. Nach der Zusammenfassung der Ergebnisse, erfolgt eine weitere Befragungsrunde, bei denen die Experten die Fragen zusammen mit den Resultaten aus der ersten Runde beantworten. Dieser Prozess wiederholt sich so lange, bis das Ziel – die Konsensbildung – erreicht wird. Folgende Schritte werden dabei vorgenommen:

  1. Benennung eines Expertenkreises
  2. Formulierung des Fragebogens durch unabhängigen Moderator
  3. Versand der Fragebögen mit Angabe einer Rückgabefrist
  4. Deskriptive Auswertung und Verdichtung der Fragebögen
  5. Verteilung der Fragebögen an die Experten mit anonymisierten Gruppenergebnissen
  6. Wiederholung der Schritte drei bis fünf, bis das gewünschte Ziel erreicht wird

Nutzwertanlayse

Die Nutzwertanalyse eignet sich für die Bewertung verschiedener Handlungsalternativen und unterstützt die Entscheidungsfindung. Sie kann immer dann in Betracht gezogen werden, wenn eine Bewertung von Alternativen nicht anhand von Zahlen, Fakten und Daten vorgenommen werden kann, sondern auch subjektive Einflüsse im Spiel sind. Zunächst einmal sind die Alternativen und Entscheidungsalternativen zu bestimmen. Anschließend sollten die Kriterien zur Bewertung definiert und gewichtet werden. Danach ist das Bewertungsmaß festzulegen, um die einzelnen Kriterien mithilfe von Punkten bewerten zu können. Zu guter Letzt werden die Alternativen bewertet und die Punktvergabe aufsummiert. Die Alternative mit der höchsten Punktzahl entspricht am besten den definierten Kriterien.

Polaritätsprofil

Beim Polaritätsprofil können die entworfenen Prozessvarianten mit dem Ist-Zustand oder gegeneinander strukturiert grafisch verglichen werden. Das Profil bildet sich aus den Bewertungskriterien, die anhand der Zieldefinition abgeleitet wurde, und gehen somit von einem gemeinsamen Mittelpunkt aus. Als erstes wird ein Bezugskreis bestimmt und angezeigt. Danach erfolgt eine Bewertung jeder entworfene Prozessvariante. Das Ergebnis wird auf der jeweiligen Skala aufgetragen, wodurch sich dann letzten Endes erkennen lässt, in welchen Bereichen eine Verbesserung oder Verschlechterung auftreten wird.

Migrationsstrategie

Die Migrationsstrategie beschreibt den Übergang von der derzeitigen Durchführung eines Prozesses zur künftigen Arbeitsweise. Für die Entwicklung dieser Methode ist eine Ermittlung des Veränderungsbedarfs durch einen Vergleich des Prozesses, die Planung verschiedener Zwischenzustände für eine Stabilisierung des Prozesses und die Bewertung der Zwischenzustände anhand von Eigenschaften notwendig. Dadurch kann das sinnvollste Zwischenzustand ausgewählt werden, der den Weg zum Soll-Zustand beschreibt.